Afrika-Aktivist: G8-Gipfel war «totale Farce»

Afrika-Aktivist: G8-Gipfel war «totale Farce» Hilfswerke «tief enttäuscht» über wachsweiche Zusagen
Zu wenig Geld für Afrika, kaum konkrete Verpflichtungen: Der G-8-Gipfel von Heiligendamm blieb weit hinter den Erwartungen und Hoffnungen von Afrika-Aktivisten und NGOs zurück.


Das 60-Milliarden-Dollar-Programm zur Bekämpfung von Aids weltweit sei nur ein kleiner Schritt und die reichen Industriestaaten hätten erneut keinen Zeitplan vorgelegt, wie sie ihre vor zwei Jahren gegebenen Versprechen zur Aufstockung der Entwicklungshilfe umsetzen wollten, kritisierten sie.

Der Gipfel sei «totaler Schwachsinn» gewesen, bilanzierte der prominente Afrika-Aktivist Bob Geldof.

Geldofs Depressionen im Fernduell

Sein Mitstreiter Bono teilt den Frust, vor allem, nachdem er von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Lektion in Realpolitik bekam. Am Mittwoch wollte er ihr bei einem Gespräch weitere Zusagen abringen. «Wir haben in dem Treffen alles reingeworfen», betonte er. Aber Merkel habe einiges einstecken können.

Geldof erzählte anschliessend, der U2-Sänger sei während des Gesprächs depressiv geworden.

Merkel gab auf ihrer Abschlusspressekonferenz kühl zurück: «Ich glaube nicht, dass er so deprimiert war, dass er gestern kein Konzert mehr machen konnte.»

Bono sagte daraufhin, Merkel habe intellektuell und emotional Verständnis für sein Anliegen. Aber ihre politische Denkweise sei davon geprägt, Bündnisse zusammenzubekommen. Das habe sie offenbar zurückgehalten.

«Merkels Leidenschaft in mehr Cash umwandeln»

Nach seiner Verärgerung fand der prominente Afrika-Aktivist in einer schriftlichen Erklärung aber wieder freundliche Worte für die G-8-Gastgeberin. Das bedeutendste Ergebnis des Jahres sei vielleicht «die wachsende Leidenschaft und der Einsatz des deutschen Volkes, einschliesslich der Kanzlerin selber», erklärte Bono und bedauerte: «Wenn wir ihre Leidenschaft nur in mehr Cash hätten umwandeln können.»

Merkel erläuterte ihrerseits im verbalen Fernduell, sie könne Bono bis heute nicht lückenlos sagen, wie die deutschen Zusagen für eine Aufstockung der Entwicklungshilfe erreicht werden könnten.

Da habe ja auch das Parlament ein Wort mitzureden, es gebe eben viele Unwägbarkeiten. «Für ihn wäre es schöner gewesen, wir hätten die unbestimmte Lücke schon geschlossen.»

Ziel von Gleneagles wird verfehlt

Bonos Pop-Kollege Geldof warf Merkel Entertainment vor. Der ganze Gipfel sei eine «totale Farce» gewesen, schimpfte er und bemühte Zitate von Goethe, Shakespeare, Bob Dylan und aus der «Financial Times».

Bono ereiferte sich darüber, dass in der Schlusserklärung fälschlicherweise der Eindruck erweckt werde, die 60 Milliarden Dollar sollten ausschliesslich Afrika zu Gute kommen.

Nach Berechnungen von Oxfam bedeutet die Zusage ohnehin nur einen Zuwachs von drei Milliarden Dollar Entwicklungshilfe 2010. Die G-8 würden auch dann noch ihr selbstgestecktes Ziel von Gleneagles um 27 Milliarden Dollar jährlich verfehlen.

«Nicht von grossen Zahlen verwirren lassen»

«Wir dürfen uns nicht von grossen Zahlen verwirren lassen», mahnt Oxfam-Aktivist Reinhard Hermle. Die Mittel im Kampf gegen Aids und Bildungsmangel seien zwar wichtig, aber nur ein kleiner Schritt, wo grosse Sprünge nötig wären.

Die Kinderhilfsorganisation World Vision äusserte sich «zutiefst enttäuscht», dass frühere Zusagen aufgeweicht worden seien. 2005 sei versprochen worden, dass bis 2010 alle Betroffenen Zugang zu Aids-Medikamenten haben sollten. Nun heisse es, «in einigen Jahren» sollten fünf Millionen Menschen diese Medikamente bekommen.

«Wieder gibt es keinen konkreten Zeitplan, so dass die Einhaltung der heute gemachten Versprechen erneut nicht gewährleistet ist», erklärte World Vision.

Nach Schätzung von UNAIDS benötigten mindestens zehn Millionen Menschen Anti-Aids-Medikamente.

(ap/halp)

( 2007-06-09 - Quelle: tagesschau.sf.tv )
« zurück zu den news

impressum   |   webdesign   |   © 2004 bobgeldof.de   |   redaktion   |   26631457