Bob Geldof macht einen Tag die "Bild"-Zeitung

Bob Geldof macht einen Tag die Der Sänger und Menschenrechtler Bob Geldorf hat am Donnerstag für einen Tag die "Bild"-Zeitung geleitet. Seine Schwerpunkthemen waren Afrika und der bevorstehende G-8-Gipfel. Am Ende des Arbeitstages waren alle zufrieden mit dem Iren.

Der Chefredakteur der „Bild“ wickelt eine lange graue Haarsträhne um seinen Finger. Immer wieder. Die Situation ist verzwickt. Irgendwie passen die Bilder und die Geschichten, die er ausgesucht hat, nicht auf die Seiten. Er spielt mit der Kette, die unter dem weit geöffneten Hemd sichtbar ist.

Es ist Konferenz im zwölften Stock beim Verlag Axel Springer, zu dem auch WELT ONLINE gehört. Hier im Hamburger Verlagsgebäude wird Europas größte Tageszeitung mit täglich rund zwölf Millionen Lesern produziert. Die Führungsmannschaft der „Bild“ will wissen, was am nächsten Tag in der Zeitung stehen soll. Alle schauen auf den Mann mit der Sonnenbrille im Haar. Er sitzt zwar auf dem Platz von „Bild“-Chef Kai Diekmann, aber er heißt Bob Geldof. Der irische Sänger („I don´t like Mondays“) und Afrika-Aktivist war Chefredakteur der Freitag-Ausgabe der "Bild" – die im Vorfeld des G-8-Gipfels das Schwerpunktthema „Afrika“ gesetzt hat. „Bob Geldof setzt sich seit zwei Jahrzehnten mit friedlichen Mitteln für eine gute und gerechte Sache ein“, sagt Diekmann, „es freut uns, sein außergewöhnliches Engagement und seinen Kampf für eine bessere Zukunft des afrikanischen Kontinents unterstützen zu können.“ Ziel der Kooperation zwischen dem 55-Jährigen und der Zeitung ist es, die Aufmerksamkeit der Leser auf die Probleme der Dritten Welt zu lenken.

Aber vor den Lesern war die Redaktion dran. Kaum hat Geldof sich morgens in den Chefsessel am „Balken“ im Produktionsraum gesetzt, startet er ein flammendes Plädoyer für Afrika vor mehr als 80 Redakteuren der Morgenkonferenz. „Glaubt mir, Ihr könnt die G 8 direkt beeinflussen“, sagt er. Er fordert die acht führenden Industrienationen auf, ihre finanziellen Hilfszusagen für Afrika einzuhalten. Zum Schluss seiner Rede bittet Geldof die Mitarbeiter um Unterstützung für das Afrika-Projekt. Unter Applaus geht es an die Arbeit.

Mittags im zwölften Stock

Wie schwierig die Arbeit manchmal ist, erlebt Bob Geldof dann mittags im zwölften Stock. Er hat auf einem großen Papier die einzelnen Seiten der Freitagausgabe vor sich – sie sind noch weiß. Ein Blattmacher: „Wir starten also vorne mit dem großen Interview von Ihnen mit Kanzlerin Angela Merkel?“, fragt er. „Ja!“, antwortet Geldof.

„Jetzt wollten Sie für die beiden Seiten den Artikel über George W. Bush, den über Bill Clinton, die Fakten zu Afrika und ein Porträt von Kofi Annan?“, fragt ein „Bild“-Macher. Geldof ist glücklich, genauso will er es haben. Aber das passt nicht alles auf die zwei Seiten. Geldof wippt mit dem Bein. Fast sieht es so aus, als ob er einfach anordnet, morgen die doppelte Seitenzahl erscheinen zu lassen. Also Prioritäten setzen! Das vierköpfige Medien-Team von Geldof berät ihn. Am Ende machen Clinton, Bush und die Afrika-Fakten das Rennen.

„Denkt Ihr, wir haben jetzt eine gute Zeitung gemacht?“, fragt Geldof schließlich in die Runde. Alle nicken. „Absolut“, sagt einer, „aber wir gehen noch einmal alles durch.“ Geldof grinst.

Eine Dokumentation und viele Bilder von Geldofs Tag bei der Bildzeitung findet ihr unter: www.bild.t-online.de

( 2007-06-01 - Quelle: nachrichten.aol.de )
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