Bob Geldof drängt die Schweiz zum Engagement in Afrika

Bob Geldof drängt die Schweiz zum Engagement in Afrika Sir Bob Geldof hat bei seiner Kampagne gegen die Armut die Schweizer Wirtschaft aufgerufen, durch verstärkten Handel mit dem Kontinent Leben zu retten.

Am Internationalen Alpensymposium in Interlaken, das am Mittwoch zu Ende ging, forderte er die Banken auf, "schmutziges" Geld von korrupten afrikanischen Despoten auf Schweizer Konten zurückzuzahlen.

Der irische Rockstar, der 1985 das Live-Aid-Konzert und vor zwei Jahren Live 8 organisiert hatte, um auf die Notlage der Afrikaner hinzuweisen, mahnte die Wirtschaftsführer, dass sie eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Kontinents spielen könnten.

"Ich glaube nicht, dass Pop-Stars mehr tun können", sagte er am Dienstag in Interlaken. "Wirtschaftsleute sollen helfen, aber nicht nur, um sich dabei gut zu fühlen."

Sich in verarmten Ländern zu engagieren, sei ethisch und mache auch wirtschaftlich Sinn, sagte Geldof weiter. Geldverdienen sei ethisch, solange man dabei nicht die Menschen oder die Erde ausbeute.

Europa als Ganzes habe die Macht, den Marshall-Plan nachzubilden, die Finanzinitiative der USA, die Europa beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg half.

"Stellen Sie sich einen Kontinent vor, der jetzt gesund und entwickelt ist und wo gekauft und verkauft wird. Können Sie sich das Wachstum Ihrer Geschäfte vorstellen? Afrika verändert sich zur Zeit gewaltig, und bald wird es einen technologischen Sprung geben", führte Geldof aus.

Kulturimperialismus

Er gestand ein, dass beim Geschäftemachen in Afrika kulturelle Gegensätze überwunden werden müssten, lehnte aber die Behauptung ab, dass Korruption dort zum System gehöre.

Probleme würden hingegen oft von europäischen Ländern verursacht, die dort ihre eigenen Wertvorstellungen und Geschäftsmethoden durchsetzen wollten, sagte er. Indem die Schweiz und das übrige Europa Afrika als Geschäftspartner ignorierten, erlaubten sie China, Afrika mit unethischen Geschäftspraktiken zu übervorteilen.

"Es ist ein Zeichen von Selbstgefälligkeit, nicht mit Afrika handeln zu wollen. So überlassen wir den Kontinent anderen, wie etwa China. Die machen dann wieder die gleichen Fehler, die wir vor 150 Jahren bei der Kolonisation gemacht haben", fügte Geldof hinzu.

Korruptionsmillionen in der Schweiz

Weiter ermahnte er die Schweiz, bei der Veränderung der Finanz- und Bankenkultur in den entwickelten Ländern eine führende Rolle zu übernehmen.

"Schweizer Banken haben lange Zeit schmutziges Geld versteckt. Die meisten von Afrikas Korruptionsmillionen liegen in der Schweiz und in London", so Geldof.

"Gebt es zurück. Wir fangen an, dieses Geld in seine Herkunftsländer zurückzuführen, weil wir verstehen, was die Menschen damit erreichen können."

swissinfo, Matthew Allen, Interlaken
(Übertragung aus dem Englischen: Susanne Schanda)

( 2007-01-22 - Quelle: www.swissinfo.org )
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