Die Mächtigen der Welt schubsen

Die Mächtigen der Welt schubsen Der Organisator von „Live 8“ plant neue Aktionen gegen den Hunger. Nächster Termin ist der G-8-Gipfel 2007 in Berlin.

Der Kampf gegen Hunger und Armut kennt keine Pause. Schon beim nächsten G-8-Gipfeltreffen im Sommer 2007 in Berlin will der britische Rockstar und Live-8-Organisator Bob Geldof wieder ein kräftiges Wörtchen mitreden. Geldof weilte am Dienstag auf Einladung der Mobilkom in Wien. Am Abend sprach er über die Notwendigkeit der Vernetzung von Menschen, Technologie und Wirtschaft für gemeinsame Anliegen“.

Nächstes Anliegen von Geldof: Wenn die sieben reichsten Nationen der Welt und Russland in Berlin 2007 über Globalisierung debattieren, sollen sie vor allem an die ärmsten Länder der Welt denken. Damit sie dies auch ja nicht vergessen, plant der Ire wieder eine Mobilisierung der Massen, wie es ihm schon im Vorjahr mit „Live 8“ gelang. „Ich weiß, dass Deutschland beim G-8-Gipfel die Afrika-Hilfe fokussieren will, jetzt müssen wir den Erfolg von Live 8 in Gleneagles 2005 weitertreiben“, sagte Geldof in einem Interview im deutschen Fernsehen. Ob wiederum ein Mega-Rockkonzert quer über den Planeten Milliarden Menschen für das Thema sensibilisieren soll, ließ er noch offen.

Mobilisierung

Live 8 im Juli 2005 war ein voller Erfolg. Mehr als drei Milliarden Menschen in 140 Ländern verfolgten zehn gleichzeitig stattfindende Pop-Konzerte in neun verschiedenen Städten. Die Gratiskonzerte mit 170 Musikgrößen wie Madonna, Robbie Williams, Neil Young oder Annie Lennox sollten Aufmerksamkeit für die Armut und den Hunger in Afrika wecken und „die Mächtigen der Welt anschubsen“, wie Geldof es ausdrückte.

Eine Petition mit der Forderung, den ärmsten Ländern der Welt die Schulden zu erlassen sowie die Entwicklungshilfe für Afrika zu verdoppeln, wurde von 24 Millionen Menschen weltweit via Internet unterzeichnet. Das Konzert allein spielte 200 Mio. Dollar an Hilfsgeldern ein.

Geldof und U2-Sänger Bono Vox übergaben die Petition den G-8-Teilnehmern bei ihrem Gipfel in Gleneagles. Wenige Tage später einigten sie sich die reichsten Länder der Welt tatsächlich auf eine Erhöhung der jährlichen Entwicklungshilfe für Afrika um 50 Mrd. Dollar. Außerdem wurde ein Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt beschlossen.

Kritik

Nicht alle Wirtschaftsexperten sehen die Aufstockung der Entwicklungshilfe positiv. Auch in Afrika nicht. So fordert etwa der kenianische Ökonom James Shikwati ganz radikal eine gänzliche Einstellung der Geldflüsse.
Dadurch würden die afrikanischen Länder gezwungen, den Handel untereinander auszubauen, die Infrastruktur selbst zu verbessern und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Kritik gibt es auch daran, dass viele Hilfsgelder nicht den Armen zugute kommen, sondern den korrupten politischen Machthabern, die ihr Regime damit weiter festigen können.
Geldof setzt sich höchstpersönlich auch dafür ein, dass die Hilfsgelder nicht nur zugesagt, sondern auch gezahlt werden und an der richtigen Stelle landen. Seit Mitte des Jahres ist er Mitglied eines unabhängigen Kontroll-Ausschusses unter der Führung von UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Das internationale Gremium wurde ins Leben gerufen, damit die reichen Länder auch ihren Verpflichtungen gegenüber Afrika nachkommen und die Gelder nicht einfach irgendwo versickern. „Mit Ländern, deren Führer Tyrannen sind, setzen wir uns gar nicht an einen Verhandlungstisch“, sagt Geldof.

Rückschlag

Ein Rückschlag im Kampf für eine gerechtere Welt brachte der letzte G-8-Gipfel in St. Petersburg. Aus den erhofften Erleichterungen im Handel und beim Marktzugang wurde nichts. Die von Bono mitgegründete Hilfsorganisation Data zog eine herbe Bilanz: „Keines der G-8-Länder ist derzeit auf dem richtigen Weg, die Versprechen von Gleneagles einzulösen“, hieß es. Für Geldof ein Auftrag, beim nächsten G-8-Gipfel diese Versprechen wieder medienwirksam in Erinnerung zu rufen.

( 2006-11-15 - Quelle: www.kurier.at )
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