Bob Geldof grüßt Leipzig und die Kanzlerin «Mörkel»

Bob Geldof grüßt Leipzig und die Kanzlerin «Mörkel» Rockstar und guter Mensch: Der irische Sänger verkörpert beides spielend

Leipzig/MZ. Was will man mehr? Ein klarer, warmer Sommerabend, das mildere Licht unter alten Bäumen, hoch gestimmte Menschen, die sich auf ein Konzert freuen - und Bob Geldof, der ihre Erwartungen mit Freuden erfüllt. So harmonisch ist es am Sonntag auf der Leipziger Parkbühne zugegangen - wenn auch bei Gott nicht leise.

Alles ist echt

"Saint Bob" ist schließlich Rockstar im Hauptberuf. Und zugleich der gute Mensch, der 1985 das Solidaritätsfest "Live Aid" organisierte, den Coup einer weltweiten Mobilisierung zugunsten der Dritten Welt 20 Jahre später mit "Live 8" erfolgreich wiederholte und immer noch nicht locker lässt. Geldof besetzt beide Planstellen spielend, alles an dem Mann ist echt: Die Musik, die Stimme, die Musiker, mit denen er seine Shows bestreitet. Und die klare Ansage: Kanzlerin "Mörkel" soll im nächsten Jahr, wenn der G 8-Gipfel in Deutschland tagt, daran erinnert werden, den Blick auf die Ärmsten der Armen zu richten. Freundlich, präzise, verbindlich.

Auch die lässige Eleganz seines Auftritts gehört dazu - dass die englische Königin den Musiker Geldof in den Adelsstand erhoben hat, war ersichtlich kein Missgriff. Schickes blaues Tuch mit großen Revers trägt er, lange Zeit streng geknöpft, ein gepunktetes Hemd darunter, der Kragen schaut heraus. Und flinke schwarze Turnschühchen, damit der fidele Mittfünfziger auch gut tanzen kann. Bauch hat er nicht, und sieht (wie er selber sagt) immer noch toll aus.

Die Geschichte vom irischen Habenichts Geldof, der als junger Bursche auf die Musik kam, mit seiner Band Boomtown Rats die vielleicht schönste, lebendigste Seite des Punk entdeckt hat und schließlich zum lächelnden, aber knochenharten Kritiker globaler Ungerechtigkeit wurde, kann man sich immer wieder erzählen. Sie wärmt das Herz. Wie es Geldofs Songs tun, die aus Punk, Folk und Weltmusik gewachsen sind. Und ebenso fröhlich wie weise sind. Vor fast vier Jahren, als Geldof am Reformationstag in Halles "Schorre" spielte, wirkte er noch zu Tode betrübt: Seine Frau Paula Yates, die ihn wegen seines Musiker-Kollegen Michael Hutchence verlassen hatte, war nach dessen Selbstmord an einer Überdosis Heroin gestorben.

Seine Lieblingsplatte

Eine Zeit "voller Scheiße", sagt Geldof und singt mit einer Kraft, die sich unmittelbar überträgt: Natürlich ein paar alte Heuler, "I Don′t Like Mondays" muss sein. Und mehrere Stücke von dem 2001 erschienenen Album "Sex, Age & Death", darunter die Hymne "Mudslide". Seine Lieblingsplatte, sagt Geldof. Der Mann hat Geschmack.

( 2006-07-19 - Quelle: www.mz-web.de )
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