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Duisburg, Park-Kult-Tour-Festival - 10.07. 2004 - NRZ (Markus Peters)
Duisburg, Park-Kult-Tour-Festival - 10.07. 2004 - WAZ (Holger Beck)
Bonn, Museumsplatz - 06.06. 2004 - Pop-Frontal (Klaus Reckert)
Live-Review - 4.11.2002 - Bob Geldof in Erfurt (Ron)
Live-Review - 31.10.2002 - Bob Geldof in Halle (Sabine)
Live-Review - 28.03.2002 - Bob Geldof in Stuttgart (Dry)
Mainz, Frankfurter Hof - 27.03.2002 - LZ am Sonntag (Lokalzeitung für den Untertaunus)
Konzert-Review - 26.03.2002 - Bob Geldof in Köln (Jutta)



Mehr Töne als Tropfen

Das musikalischste Wochenende des Jahres lockte an Rhein und Ruhr Zehntausende in die Stadien und Hallen.

Es war das Wochenende der Musik an Rhein und Ruhr - von Bocholt bis Bochum strömten fast so viele Mensch wie Regentropfen zu den Konzerten, die mal begeistert, mal bedacht, mal beschirmt in Augen- und Ohrenschein genommen wurden. Einen kleinen Ausschnitt aus dem musikalischen Panorama, das gestern Abend noch mit den drei Soul-Diven Whitney Houston, Natalie Cole und Dionne Warwick in Oberhausen sowie Altmeister Van Morrison in Bonn seine Abrundung fand. Von Latin, und Jazz über Rock und Folk waren sämtliche Spielarten vertreten - bis hin zu den Essener Symphonikern auf dem Kennedyplatz.

Bob Geldof in Meiderich

Auf Altstars hat sich das Park-Kult-Tour-Festival in Duisburg-Meiderich spezialisiert. Im vergangenen Jahr war John Watts von Fischer Z dort zu Gast. 2004, bei der 21. Auflage, musste schon der europäische Pop-Adel her: Sir Bob Geldof höchstselbst, ehemaliger Sänger einer Band namens "Boomtown Rats" und unermüdlicher Streiter für die Interessen Afrikas, für den Schuldenerlass und gegen Aids, sang diesmal im Meidericher Park.

Mit ellenlangen Vorträgen wollte das 52-Jährige gute Gewissen der Pop-Musik das Publikum aber nicht langweilen. Nein, Sir Bob spielte, begleitet von den "Bobkatz", einem Haufen alter Weggefährten, eine ganz normale, energische Rock-Show, an derem Anfang "The Great Song of Indifference" und am Ende "I Don´t Mind At All" stand - also exakt derselbe Song.

Auch optisch versuchte Geldof alle Spuren des Heiligenscheins zu verwischen Im faltigen blauen Anzug, die schulterlangen Haare von grauen Strähnen durchzogen, ließ er die akustische Gitarre lässig und linkshändig von der Schulter hängen und rotzte sich wie anno ´77 durch Rats-Klassiker wie "Rat Trap" und "Like A Clockwork", durch Thin Lizzys "The Boys are back in Town" und durch Solo-Nummern wie "Walkin´ Back to Happiness".

Von "The Fine Art of Surfacing", der Mutter aller Platten, die vor zwanzig Jahren unter dem Etikett "New Wave" gehandelt wurden, brachte er das paranoide "Someone´s Looking at you", ein traumhaftes "Diamond Smiles" und - wie könnte es anders sein - auch "I Don´t Like Mondays".

Übrigens mit exakt der gleichen Gestik wie im Juli 1985 beim Live Aid-Festival. Wie damals im Londoner Wembley-Stadion brach er auch im Meidericher Stadtpark mitten im Song nach der Zeile "And the Lesson Today is How to Die" ab, hob die rechte Hand in die Höhe, fixierte kaugummikauend eine Minute lang die Menge, um dann endlich mit den erlösenden Zeilen "and then the bullhorn crackles and the captain tackles..." fortzufahren.

Ein amüsantes Aufblitzen der Pop-Vergangenheit in Duisburg-Meiderich. Nicht schlecht, Sir Bob! (MP/NRZ)

NRZ


Bob´s Bobkatz setzten auf Tempo

Nach Ray Wilson und John Watts musste ein noch größerer Fisch Park-Kult-Tour 2004 anführen. Also warf man die Angel aus und zog (Sir) Bob Geldof an Land.

Seit Mitte der letzten Woche leistete das Parkhaus-Team Akkord-Arbeit. Bis zu zu 14 Stunden täglich waren die freiwilligen Helfer im Einsatz - Techniker Dirk Gesell brachte es teilweise gar auf bis zu 20 Stunden. Und beinahe wäre alles für die Katz gewesen - das Wetter schien am Festivaltag partout nicht mitspielen zu wollen. "Bis 16.30 Uhr hätte ich vor Wut den Putz von den Wänden kratzen können", so Frank Otto, Geschäftsführer des Parkhauses. "Die Nerven lagen blank, ich hätte am liebsten alles abgeblasen."

Mitten im Set von "Massive Beat" ereignete sich dann das Wunder von Meiderich: Die Sonne brach hervor und das Festivalgelände auf der Bürgermeister-Pütz-Straße füllte sich langsam, aber stetig - pünktlich zu den Top-acts des Festivals: "Alpha Boy School" (Ska), "Craving hands" (Rock), nicht zu vergessen "Kuersche". Der Hannoveraner brachte es fertig, seine Vorgänger allein mit Akkustik-Klampfe und frechem Mundwerk zu toppen. Punkt 21 Uhr war schließlich der Moment gekommen, dem alle entgegen fieberten. Als Sir Bob mit seinen "Bobkatz" die Bühne betrat, säumten rund 2 200 Besucher das Areal.

Der frühere, exzessive Lebenswandel steht dem ewigen Punk ins Gesicht geschrieben: Bleiches, eingefallenes Gesicht, schütteres graues Haar - betont von dem dunklen Lila seines Anzuges, der den hageren Körper gerade so zusammenzuhalten scheint. Einen Moment fragte man sich, ob diese Karikatur eines Totengräbers die ganze Show überhaupt durchhalten würde.

Der Eindruck änderte sich schlagartig, als der Ex-Boomtown-Rat in die Saiten griff und "I don´t mind" anstimmte - nach einem gepflegten, an die Nebelmaschine gerichteten "What the fuck" ("Was für eine Scheiße"), die ihm eine kräftige Wolke mitten ins Gesicht geblasen hatte. Mit einem Mal entwickelte der Sir eine Ausstrahlung und eine Spielfreude, der das Publikum unmöglich wiederstehen konnte.

Geldof und seine fünfköpfige Truppe setzten von Anfang an auf Tempo. Es war Bob Loveday (von Geldof gern als Paddy Wilson oder Vince Lovepump vorgestellt), der den Klassikern "Boys are back in town" und "I don´t like mondays" mit seinen furiosen Geigenklängen das musikalische Sahnehäubchen aufsetzte. Man darf gespannt sein, ob dieses Programm im nächsten Jahr getoppt werden kann.

11.07.2004 von Holger Beck, WAZ


Gesehen! Bob Geldof and The Bob Katz

"Summer Storm" für Arrivierte
Text: Klaus Reckert Fotos: Bettina Reckter

Statt süßen Haschschwaden wie sonst beim Betreten der meisten Konzertaustragungsorte lag diesmal der Duft von edlen Parfüms und teuren Rasierwässerchen in der Luft - es war ja auch noch hellster Nachmittag. Doch das großzügige Gelände der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn auf der Museumsmeile bleibt auch im weiteren Verlauf des Abends ein gepflegter Ort, dominiert von Stuhlreihen auf geharktem Kies, einer unaufdringlichen, aber allgegenwärtigen Security, einer Zeltkonstruktion, die effektiv vor etwaigen Unbillen der Natur schützt, natürlich einem kristallinen, niemals zu lauten (welch' Wohltat!) Livesound sowie nicht zuletzt einem Catering mit Speisekarten, die den Namen verdienen.

Die Speisekarten gestatten gar die Auswahl von Sekt und Lachs im Wrap zur Stärkung, und es gibt sogar Gäbelchen zum Dönerburger: wer hier die 42,50 Euronen (Abendkasse) über hat, um die Heroen seiner Jugend noch einmal live zu erleben, schätzt das bürgerliche Ambiente, das den Rahmen zum heutigen unter das Motto "Summer Storm" gestellten Aufeinandertreffen dreier Rockgrößen aus den (primär) 80er Jahren bildet - ein bisschen stürmisch ja, aber bitte nicht zu wild.

Bereits gegen 15:30 Uhr übernimmt ein nicht zu identifizierender Singer/Songwriter die Aufwärmaufgabe mit Songs wie "Tell Me, Tell Me, Tell Me: How Are You" oder "Capture Me". Selbst das Merchandise-Team, zu dem er das durch seinen einigermassen unspektakulären Vorträg zur akustischen Ragtime-Gitarre womöglich doch zum CD-Kauf animierte Publikum schickt, kennt den Herren leider nicht.




Aufgrund offensichtlicher Top-Organisation auf und hinter der Bühne ist diese bereits um 16:20 Uhr bereitet für einen Sir Bob Geldof, der kein Hehl daraus macht, dass er um diese Zeit normalerweise langsam über das Aufstehen zu meditieren pflegt: "Usually this is sound check time". Die noch verklebten Augen des Ex-Chefs der legendären Boomtown Rats hindern ihn aber nicht, auf das noch nicht allzu zahlreich erschienene Mitvierziger-Publikum hinunterzublinzeln und zu spotten: "That's German culture, you sit down for rock". Auch der Umstand, dass der u.a. für seinen Einsatz für das '85er "Live Aid"-Festival geadelte einstige Punk sich das ganze Konzert über nicht von seinem Kaugummi trennen mag, lässt zunächst wenig Gutes erwarten. Doch die Ex-Ratte wacht und wärmt sich von Minute zu Minute mehr auf, angefeuert von seinen ausgezeichneten fünf Sidemen, den Bob Katz. Passenderweise beginnen die Katzen den Gig mit dem "Great Song Of Indifference" von "Vegetarians Of Love", bei dem sich schon die Orchestrierung mit Fiddle und Quetschkommode sehr angenehm bemerkbar macht. So wie dieser Song bewegt sich auch das folgende, minütlich besser werdende Konzert häufig und sehr angenehm zwischen keltischen Folkeinflüssen und harten Rockriff-Einsätzen. Highlight ist ein Block aus drei Oden an die Heimatstadt der Rats, Dublin: "When The Night Comes", "Boys Are Back In Town" (fulminantes Thin Lizzy-Cover) und "Walking Back To Happiness". Die Reggae-Anverwandlung von "Scream In Vain" (von "Sex, Age & Death") kommt ebenso gut über die Rampe wie das alte, herrliche "Rat Trap" sowie - natürlich - der größte Rats-Hit "I Don't Like Mondays", dessen Thema "Amoklauf in der Schule" ja heute leider aktueller denn je ist. Auf die Gutmenschen-Hymne "This Is The World Calling" hat Sir Bob heute keine Lust, dafür beschließt eine neuerliche Version von "Indifference" den Bogen und ein Konzert mit allen Höhen und Tiefen.

Pop-Frontal


Bob Geldof in Erfurt, 4.11.2002

Das Gewerkschaftshaus in Erfurt zu finden, ist mitunter keine leichte Aufgabe: Ich frage 2 Erfurter (in wie sich später herausstellt 100 Meter Entfernung davon): sie haben nicht die geringste Ahnung. In 50 Meter Entfernung treffe ich auf einen weiteren Ahnungslosen. Dann gehe ich an einem Block mit dieser typischen 50er Jahre-Stalin-Architektur vorbei, direkt an einer Schnellverkehrstraße gelegen, und entziffere:
Haus der Gewerkschaften. Kein Licht, kein Anzeichen von Leben. Ich werde langsam unruhig, denn es ist 20.30 Uhr, ich suche seit einer halben Stunde und das Konzert soll um 21 Uhr beginnen.

Dann sehe ich in der Dunkelheit hinter ein paar Bäumen eine größere erleuchtete Tür: Wenn es das nicht ist, habe ich ein ernsthaftes Problem... Es ist es: das Gewerkschaftshaus, das kein Erfurter je gesehen zu haben scheint. Die Security-Leute sehen ernsthaft aus, so ernsthaft, dass ich meine Kamera lieber zurück zum Auto bringe. (Da sie mich aber überhaupt nicht durchsuchen, hole ich sie später doch wieder) Bob Geldof spielt heute hier und ich bin froh darüber. Abgesehen von dem großartigen Konzert in Plauen 1998 habe ich Geldof 1993 zuletzt gesehen, lange her. Was sich schon in Plauen zeigte, wird heute bestätigt: die Happy Clubsters sind nicht mehr so betont happy und das verleiht dieser großartigen kleinen Band eine neue Qualität. Es scheint zu stimmen, was das Klischee behauptet. Je schlechter es dem Künstler geht, desto besser die Musik: so intensiv wie heute war Geldof nie.
Und dann ist da noch der Dylan-Faktor: ich bin mir sicher, dass er Dylan live gesehen hat. Die Art wie er auf einmal die Phrasierungen verändert, mit den Melodien spielt oder die Songs sogar umarrangiert: das ist der Einfluss des Meisters.

Der kleine Bob beginnt wie immer mit dem "Great Song of Indifference".
Er sieht älter aus, auch älter als er ist. Schmal, in seinem gestreiften Anzug. Keine Spur mehr von den schillernden Farben der Happy-Club-Phase. Keine Bärtchen mehr. Dann kommt "Chains Of Pain", und wie in Plauen damals zeigt sich hier die neue sängerische Qualität Geldofs. Er singt mit 100% Hingabe, es wirkt so authentisch und tief, wie noch nie zuvor in seiner Musik. Es hat etwas von Blues, was man da hört, eine Mischung aus Blues und Punk. Diese neue Facette kann er auch auf die anderen, älteren Stücke übertragen und mit seiner eigenen Reife wachsen auch diese Songs, selbst die Frühwerke aus dem Boomtown-Rats-Katalog. Weiter geht's aber zunächst mit "A Sex Thing", derart umarrangiert, dass ich tatsächlich erst beim Refrain sicher bin, dass es das auch ist.

Richtig bewegend wird dieses Konzert dann aber im Mittelteil, als er ankündigt, jetzt 3 neue Stücke zu spielen, die ganz anders seien. Und es erinnert in seiner Offenheit an Lennons Plastic Ono Band Album. Großartige Musik, die sich der Künstler aber nicht unbedingt selbst anhören würde. Es ist das Intensivste, was Geldof bisher gemacht hat. Und das Persönlichste. Das Publikum reagiert erstaunlich enthusiastisch. Als er dann "I Don't Like Mondays" singt, wird mir bewußt, dass wir in Erfurt sind. Und ich denke: 80% der Leute hier haben mit Sicherheit keine Ahnung, worum es in dem Song geht. Mir fällt auch auf, dass der Moment der Stille im Song, bei dem er auf den vergangenen Touren immer mit erhobener Faust da stand, diese Live Aid-Reminiszenz, verschwunden ist. Es scheint für ihn unendlich weit weg zu sein. Er erzählt danach über den Song, wie er 1978 vom ersten dieser "school killings" erfuhr und was das Mädchen als Begründung dafür angegeben hatte. Und dass Erfurt wahrscheinlich für die meisten Menschen nur mit so etwas verbunden sei. Geldof trägt ein golden glitzerndes Kreuz um den Hals; ist er etwa ein bißchen religiös geworden im Strudel der Ereignisse?

In der zweiten Hälfte gibt es noch längere Geschichten zu "Room 19", und "The Soft Soil", und ein deutsches "Schlager"-Intro zu "The End Of The World". "What The Fuck Is Going On Inside Your Head", der erste Song aus dem neuen Album den ich je gehört hatte (98 in Plauen) war auch dabei. Aber kein Happy Club, Beat Of The Night, Love Or Something oder Banana Republic. Dafür "Mary Of The 4th Form" ("about a girl I wanted to fuck, but she wouldn't let me". Dieses Jahr seien sie in Dublin aufgetreten und sie war da. "And she still wouldn't let me fuck her. She was there with her husband") Und zum Schluß noch mal der "Great Song Of Indifference" in einer ausufernden Version. Nach zwei Stunden ist es vorbei. Später gibt Geldof noch Autogramme und wir lachen über seine Mao-Uhr. Es ist gut, dass er wieder Musik macht. Ich mag diesen Kerl.



Live-Review 31. Oktober im Easy Schorre Halle

Endlich 20 Uhr! - Nach 1 ½ Stunden Warten und einem Paar eiskalten Füßen öffneten sich die heiligen Pforten der Easy Schorre. "Nur Leute mit Karten eintreten!" hieß es zu anfangs. Klar senkte das die Laune der Besucher, die ihre Karten brav über Internet haben zurücklegen lassen - auf freundliches Anraten des Schorre-Teams. Aber dem war es nicht genug. Hat man doch auf den Vorverkaufspreis von 19 € noch schlappe 5 € draufgelegt und wurde dabei auch nicht gerade aufs freundlichste von der Dame an der Kasse empfangen. Dennoch, wir hatten diese Hürde erfolgreich geschafft und jetzt hieß es flugs vor zur ersten Reihe zu stürmen.
Doch siehe da, wir waren die ersten. Klar, die meisten Besucher strömten gelassen an die Bars und genossen bei einem Glas Bier oder Wein die gemütliche Atmosphäre der Schorre. Vielleicht lernte der ein oder andere noch andere Fans kennen.
Aber man ließ den Leuten keineswegs Zeit um Langeweile aufkommen zu lassen denn schon um ca. 21 Uhr trat die Band NJ CROSS auf die Bühne. Mit einem freundlichen HALLO an all die Besucher und Fans (!) begann die 9-köpfige Truppe mit ihrem Song "Life is too short". Gute Laune und echt gute Rockmusik wurden von der Bühne herunter zelebriert, so dass nun jeder in bester Stimmung war, Bob mit Heiterkeit und guter Miene zu begrüßen.
Nach ca. 30 Minuten verabschiedeten sich die Rockers dann auch schon und all die fleißigen Roadies stürmten die Bühne um alles für den großen Meister und seine Vegetarian Happy Clubsters vorzubreiten.
Als nun endlich Sir Bob Geldof mit einem kleinen Knicks die Bühne betrat, waren die Massen wie elektrisiert. Sofort krallte er sich seine Gitarre, schlug in die Saiten und die ersten Akkorde von "The Great Song Of Indifference" klangen in die Halle….Nanananana….sangen all die mitgerissenen Fans mit und waren sichtlich begeistert.
Durchweg spielte er Songs von den Scheiben "Vegetarians Of Love" und "The Happy Club". Zu "Walking Back To Happiness" ließ er seine Fans an seiner Vergangenheit teilhaben, erzählte von seiner Jugend, seinem Vater und dem alten Leuchtturm in Dun Laoghaire. So erreichte er ein ruhiges Flair um daraufhin auf sein neues Album hinzuweisen und erklärte dem Publikum welch schmerzhafte Erinnerungen an den Songs hängen und das es ihm nicht leicht fiele, diese hier zu spielen. Bob tauchte nun völlig in seine Welt ab.
Nach diesem 3er-Block zog er flugs seine Jacke aus, kehrte damit scheinbar dem ganzen den Rücken um nun aus neu geschöpfter Kraft "I Don't Like Mondays" anzustimmen. Wie immer, sangen hier natürlich alle Fans mit und der Saal tobte.
Mit seiner Story zu "Room 19" brachte der charismatische Bob die Leute zum lachen und "The Soft Soil" sollte wieder ein nachdenklicherer Song werden.
"Was wollt ihr denn hören?"
- RAT TRAP! Grölte es von hinten
- "Okay, den machen wir später."
- NEON HEART !
- "Oh Fuck, ich mag den Song aber ich kann mich nicht mehr erinnern."
Bob zeigte guten Willen aber es wollte nicht klappen…
- SOMEONE'S LOOKING AT YOU !!!
- "Okay, tun wir was für das Mädchen…versuchen wir's."
Bob und Pete waren sich einig den Song zusammenzubringen. Nur der neue Gitarrist ….. schaute anfangs mit einem verzweifelten Lächeln zum Rest der Gang und wusste nicht recht, wie er es machen sollte. Doch bei der 2. Strophe gelang der Band ein einheitlich guter Song nur Bob vergaß den Text und sang unentwegt die 1. Strophe weiter. Ich glaube, dieser Song war für die Fans wohl der bester des Abends. Weiter ging es mit "Mary Of The 4th Form", dem schönen Mädchen, das seine Tanzkünste in Frage stellte. Er selbst war sich darüber im Klaren. Zwischendurch vergnügte Bob sich an deutscher "Schlager-Kultur" und stimmte gleich danach das ¾ - Taktige Lied "The End Of The World" an. Rat Trap sollte den Gig nun beenden und Bob gab sich richtig Mühe den ersten Teil des Songs zu Rappen und faszinierend war auch der Violinen-Einsatz Bob Lovedays für den Part des Saxophones. Klang fast identisch. Super!



Als Zugabe durften wir dann noch "Pale White Girls", "Diamond Smiles" und natürlich die Reprise des tiefgründigen aber doch partyliken Hits "The Great Song Of Indifference" hören und mitgrölen. Am Ende waren die Leute wirklich happy und man klatschte, tanzte und sang wie es einem gefiel. Nun war der Gig endgültig vorbei, die Jungs haben beste Arbeit geleistet. Das Licht ging an, Musik aus der Konserve setzte ein. Die meisten strömten zufrieden und geschafft nach draußen und die wohlige Atmosphäre begann langsam zu schwinden.
Doch, wie immer, gibt es diejenigen Fans, die nicht das Haus nach dem Verklingen des letzten Akkordes verlassen. Sie hoffen eher auf mehr. Sie wollen ihren Star noch sehen, ein Autogramm erhaschen. Wir zählten natürlich auch zu der handvoll Menschen und wir wurden alle nicht enttäuscht.
Bob kam mit fröhlicher Miene aus seinem Versteck heraus. Große Freude war in den Augen der teils geschockten Fans abzulesen. Zu Beginn flitze man mit Stiften umher um ein Autogramm zu erwischen doch kurz später entspannte sich alles und man begann mit dem großen Idol zu sprechen.
Bob war richtig zugänglich, sprach mit jedem, ging auf jeden ein, ein richtiger Ruhepol. Ein absoluter Traum für einen Fan.
Fast wie ein Kumpel zeigte er uns stolz seine Mao-Uhr und wir lachten herzhaft über seinen tollen Humor.
Micha schoss sogar noch Fotos von den meisten und das ist sicher eine wahnsinnig wertvolle Erinnerung für jeden von uns. Mit reichlichen Umarmungen und freundlichen Worten (er bedankte sich für unser Kommen) verabschiedete sich Bob von uns und verschwand wieder in sein Reich.
Wir reden noch heute ganz aufgeregt von diesem Treffen und werden Euch durch Wort und Bild an dem Ganzen teilhaben lassen. Bob, Du bist der Größte! Danke für diesen großartigen Abend. So glaube ich aus den Herzen der Fans zu reden und möchte mit diesen Worten mein Review beenden.

Bis bald sagt: Sabine
"Chill out, be cool, stay free!"


Die anderen Fotos findet ihr in der bildergalerie unter bob live!

die
vorgesehene
setlist

die
gespielte
setlist

Great Song Of Indifference
Too Late God
The Chains Of Pain
A Gospel Song
A Sex Thing
Walking Back To Happiness
One For Me
Mudslide
My Birthday Suit
I Don't Like Mondays
Room 19
Inside Your Head
Soft Soil
Someone's Looking At You
Mary Of The 4th Form
End Of The World
Rat Trap
------------------------
Pale White Girls
Diamond Smiles
Great Song Of Indifference



Bob Geldof in Stuttgart
An Evening with...


Konzert-Review für Stuttgart am 28.03.2002 von dry (drylightning.de)

Es hat lange gedauert, sehr lange, bis sich Geldof nach persönlichen Krisen künstlerisch zurück gemeldet hat. Das Album "Sex, Age & Death" war geprägt von Schmerz, Frustration und Wut. Auf aktuellen Bildern wirkte Geldof gezeichnet und gebrochen. Die Tour zum Album wurde zunächst angekündigt, dann abgesagt und nun doch abgespeckt Wirklichkeit. Es war sehr offen, was von den Gigs zu erwarten war.

In der Stuttgarter Villa Berg, die rund 700 Leute zu fassen vermag, versammelten sich gerade mal grob 300 Leute. Um die Leere zu kaschieren blieb der Veranstaltungssaal bestuhlt eher befremdlich für ein Konzert in Deutschland.

Als Local-Hero kündigte SWR1-Redakteur und Moderator Günter Schneidewind Sir Bob pünktlich an. Der betrat daraufhin in dunklem Nadelstreifenanzug und rotem, mit weißen Punkten übersäten Hemd die Bühne. Im Gefolge quasi die komplette Combo, die man noch von den Vegetarians und Happy Club Konzerten kannte.

Geldof wirkte entspannt und gut gelaunt und legte direkt wie bei früheren Auftritten mit "The Great Song Of Indifference" los. Es folgte "Too Late God" und "The Chains Of Pain" bevor er zu einer Begrüßung ansetzt, bei der er sich zunächst dafür entschuldigt, dass wegen einer Grippe seine Stimme "fucked" sei.

Im Laufe des Abends sprach er viel und häufig. So erfuhr man, dass er mit dem Album "Deep In The Heart Of Nowhere" nach dem Split der Rats einfach was anderes machen wollte, er das Album heute aber selbst nicht unbedingt als Gelungen ansieht. Fünf Songs oder so wären dennoch cool, wenn er auch nicht mehr sagen könne welche.

Er erzählte auch von den Aufnahmen zu "Vergetarians Of Love", die gerade mal zwei Wochen dauerten. Songs wurden im Vorfeld nicht geschrieben. Es war ein Experiment. Er hat sich einfach die Musiker nach Instrumenten zusammengesucht, mit denen er gerne spielen wollte (fast komplett die Mannschaft, die jetzt noch mit ihm auf der Bühne steht) und hat drauf losgelegt. Wenn nichts daraus geworden wäre, wäre es nicht so schlimm gewesen, da es mit zwei Wochen Studiomiete wenigstens noch billig gewesen sei. Aber das Ding wurde klasse und hat sich gut verkauft.

Der Set ging kreuz und quer durch 25 Jahre Schaffen. Als er zu Stücken des neuen Albums vorstiess, erklärte er, wie persönlich für ihn die Stücke seien und wie komisch es ihm vorkäme diese vor Publikum zu singen. Er verabschiedete sich, um ganz in sich zu gehen, und brachte mit gesenktem Kopf "One For Me, Mudslide" und "My Birthday Suit". Mit "I Don't Like Mondays" tauchte er wieder auf. Ein Stück, dass den Deutschen so gut gefallen würde, weil es so "Wagner" wäre, so "Sturm und Drang".

Zu "The Soft Soil" führte er aus, wie ihn die Rede des dicken, trinkenden Jelzin am Grab von Studenten, die sich beim Putschversuch in Russland, vor die in Moskau einrollenden Panzer legten und starben inspiriert hat. Jelzin sagte damals den - nach Geldof zu seiner Erscheinung in herbem Kontrast stehenden schönen Satz: "Let the Soil be their soft pillow" "Möge die Erde ihr sanftes Kissen sein"...

Dann fragte Geldof das Publikum an was für Songs sie sich noch erinnern, die sie gerne hören würden. Ein Zuruf (von Dry's begleitendem Kumpel Markus) war "The Beat Of The Night" und daran versuchten sich dann Bob und Band. Zwar konnte sich Bob nicht mehr 100%ig an den Text erinnern, der Spaß war dennoch groß.

Inklusive zwei größeren Zugabensets und der abschließenden Nummer "10:15" (der letzte Zug von Paris Richtung England), dauerte der Auftritt gut 2 1/2 Stunden und war einfach grandios, auch wenn es immer mal wieder Probleme mit dem Sound gab. Zum Ende des Konzerts saß niemand mehr auf den Stühlen und alle, vielleicht sogar Bob, hatten vergessen, was sie sonst so momentan beschäftigt oder sogar traurig macht. Es war eine Party.

SWR1 hat das Konzert mitgeschnitten und wird es am 9.5.2002 um 22:10 Uhr ausstrahlen.

Hier noch die Setlist
(so sie Dry erinnern kann)

The Great Song Of Indifference
Too Late God
The Chains Of Pain
A Gospel Song
A Sex Thing
One For Me
Mudslide
My Birthday Suit
I Don't Like Mondays
The Soft Soil
The Beat Of The Night (auf Zuruf von dry's Kumpel)
Room 19
Mary Of The 4th Form
Inside Your Head
Rat Trap
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Pale White Girls
Diamond Smiles
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Banana Republic
Hole To Fill
Great Song "Reprise"
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10:15


Mainz, Frankfurter Hof - 27. März 02 - LZ am Sonntag (Lokalzeitung für den Untertaunus:

Geadelter Punk
Bob Geldof begeisterte in Mainz


Mainz (dif) - "Oh, ich hatte eigentlich eher an Whisky gedacht", schmunzelte Bob Geldof, als er im Frankfurter Hof in Mainz einen Tee auf die Bühne gebracht bekam - einer von vielen Beweisen des Abends, dass er trotz einer dicken Ladung kaum verkraftbarer Schicksalsschläge den Humor nicht verloren hat.

Dirk Fellinghauer war für die LZ bei dem großartigen Konzert dabei.


"Sex, Age and Death" heißt das Album, mit dem sich Sir Bob Geldof - früherer Kopf der punkigen Boomtown Rats, später Hauptdarsteller des Kult-Films "The Wall", Organisator des Live Aid-Mega-Charity-Events und Anwärter auf den Friedensnobelpreis - letztes Jahr nach Jahren aus der Versenkung zurück gemeldet hatte.

"Meine letzten sechs Jahre waren voller Scheiße, sie sind das Thema dieses Albums", erklärte der 47-jährige, der mit Fliegenpilzhemd unterm Nadelstreifenanzug nicht peinlich, sondern höchst lässig aussah, und der seine Lebenskrise(n) offenbar überwunden hat. Es sei etwas seltsam, diese persönlichen Songs nun vor Publikum zu spielen, weshalb er sich auch für diese Tour Sitzkonzerte gewünscht hätte - "da sehe ich euch nicht so genau".

Je später der Abend, desto mehr wurde aus dem Seelenstriptease eine überwiegend fröhliche, unter die Haut gehende Party. Da schaute Bob Geldof dann gerne und mit ehrlicher Freude ins, ehrlich gesagt, nicht so richtig große, aber dafür im großen Maße begeisterte und bunt gemischte Publikum.

Bob Geldof - für viele ein Großmaul und Aufschneider, bei seinem Auftritt in Mainz ein richtig sympathischer, der oft und ausführlich und unterhaltsam plauderte und zeigte, dass er sich trotz allem, was ihm passiert ist, seinen Humor bewahrt hat - und einen besonders netten noch dazu.

Den besonders stürmischen Applaus des Publikums für seinen größten Hit "I Don´t Like Mondays" kommentierte der Ire: "Ich weiß, die Deutschen mögen den Song besonders ... Wagner ... Sturm und Drang...".

Während andere Alt-Rockstars sich aufs peinlichste selbst kopieren, bleibt Bob Geldof ohne Verleugnung seiner Vergangenheit up to date, kennt aber die Grenzen: "Es würde peinlich klingen, heute die punkigen Songs aus den Rats-Zeiten zu spielen". Stattdessen spielte er einen alten "John Lee Hooker/ Van Morrison-mäßigen Song" über die Frau seiner jugendlichen Träume mit endlos langen Beinen ("I never f.... her"), die heute Privatsekretärin des irischen Premierministers sei.

Bob Geldof - ein echter Spaßvogel, aber immer noch mit genauem Blick für die Missstände nicht nur in seinem eigenen Leben, sondern auch in der Weltpolitik.

In Mainz präsentierte er ein abwechslungsreiches Programm aus allen Phasen seiner Karriere. Ein Programm, das nach und nach Herz und Hirn, Bauch und Beine und Gänsehaut beschäftigte. Ein Programm, das vor allem durch Bob lebte und begeistert, aber auch durch eine fantastische Band mit Typen, bei denen schon das pure Zuschauen das reinste Vergnügen war und das Zuhören natürlich auch.

Sir Bob Geldof in Mainz - der geadelte Punk sorgte für einen Abend, der allen - allem Anschein auch ihm selbst - viel Spaß machte. Nach fast zweieinhalb Stunden und einigen Zugaben war Schluss - man hätte gerne den Frankfurter Hof in einen Irish Pub verwandelt. Ohne Sperrstunde natürlich.

(Quelle: LZ am Sonntag - Lokalzeitung für den Untertaunus - Link: http://www.lz-am-sonntag.de )


Konzert-Review für Köln am 26.03.2002 von Jutta (Forum)

Nun, ich fand das Kölner Konzert unerwartet "partylike" - trotz [...] Bestuhlung - schon während dem ersten Lied standen alle Leute, nervig war nur, dass die Stühle beim Tanzen so zwischen den Füßen standen. Und zugegebenermassen war bei den letzten Zugaben Bobs Stimme wirklich nur noch ein Krächzen. [...Fucking Flu, Zitat Bob...]
Aber die Auswahl der Lieder war sehr nett (bis auf dass ich auch gerne "Beat of the night" gehört hätte - mein Rufen aber nicht bis zu Bob vorgedrungen ist, da ich selbst sehr erkältet war :-().... Stattdessen "Roads of Germany"...und - meiner Meinung nach auch das ein oder andere Lied mehr als in Stuttgart...

Ich fand es so faszinierend wie sehr er in sich zurückgehen konnte bei dem Dreierpaket der neuen CD - die mir, obwohl anders als die anderen, sehr gut gefällt (auch wenn ich mich erst reinhören musste)... und mit 10:15 in so einer angenehm-positiven Stimmung das Konzert zu beenden, das hat einen mit einer richtigen Mischung aus Partystimmung und nachdenklicher Wärme nachhause gehen lassen. Die Stimmung im Publikum war so mitreissend - und in dem kleinen Rahmen vom "Gloria" (so ca. 200 Leute passen da rein) hatte man wirklich das Gefühl, dass es irgendwie "familiär" war... und man hatte die Muse, den Texten zu lauschen (ich war selbst ne Weile in Irland, hatte aber seither nicht mehr Bobs Texten intensiver gelauscht - und hab sie jetzt in nem ganz anderen Kontext gehört)[...]


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