live aid heute - Bob Geldof sucht Rat für Afrika
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Bob Geldof sucht Rat für Afrika
Der Musiker startet eine neue Initiative gegen Hunger

BERLIN, 7. Juli. Der Gutmensch ist exzentrisch. Bob Geldof sitzt mit erwartungsgerecht ungekämmtem Haar, in einem braunen Nadelstreifenanzug, mit angerissenem Hemdsärmel und ohne Socken vor einer überschaubaren Pressekonferenz in Berlin. Der Gutmensch gibt zu verstehen, dass er gelangweilt ist, weil er jetzt lieber Gitarre spielen würde ("ich bin ein Pop-Gott, kein Diplomat, verdammt nochmal"). Sein Redeschwall ist trotzdem gewaltig. Der Gutmensch ist nämlich sauer. "In den zwanzig Jahren nach Live Aid hat sich die Lage in Afrika netto verschlechtert", schimpft er. "Alles, was wir versucht haben, hat nicht geklappt."

Er hat eine ganze Menge versucht. Er hat Künstler zusammen gebracht, die einige der größten Konzerte der Rockgeschichte abgehalten haben. Es ging darum, Geld zu sammeln, gegen den Hunger in Afrika. 150 Millionen Dollar sind zusammen gekommen. Aber es hat nicht wirklich etwas bewegt. Nicht so viel jedenfalls, wie der Musiker Bob Geldof sich erhofft hatte.

Deshalb will er jetzt Live Aid wiederholen. Diesmal mit Intellektuellen und mit Mächtigen. Eine unabhängige "Afrika-Kommission" hat er gegründet, zusammen mit dem britischen Premierminister Tony Blair. Für dessen bevorstehende Amtszeit als Chef der Europäischen Union und der G8 soll Geldof mit zahlreichen Experten einen Bericht erarbeiten, der aufweist, wie dem darbenden Kontinent zu helfen wäre. "Bei der ersten Sitzung habe ich darum gebeten, dass wir unsere bisherigen Annahmen alle beerdigen und ohne fertige Antworten an den Tisch kommen," sagt Geldof. Er sucht nach neuen, originellen Ideen, nicht nach altem Material.

Zu Geldofs Kommission gehören die Finanzminister Großbritanniens, Südafrikas und Kanadas, der Präsident von Tansania und der Afrika-Berater des französischen Präsidenten. Die deutsche Sektion des "Rats für Afrika" hat sich in dieser Woche das erste Mal getroffen. Mit dabei waren Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten. Auch Alfred Biolek war da. Vielleicht brauchten sie noch einen Prominenten. Geldof hat das Gespräch mit den Deutschen wohl nicht so glücklich gemacht. Denn seine Idee ist hier erst einmal auf Skepsis gestoßen. Vor allem seine Vorstellung, dass man in Berlin doch Afrika bitte aus "deutscher Perspektive" betrachten möge, vom "nationalen Interesse" her. Das gibt es nicht, wird abgewehrt, es gibt nur Europa. Geldof schimpft. Deutschland habe Afrika viel zu bieten, zeige aber sein Desinteresse durch niedrige Entwicklungshilfe. "Es sollte euch aber interessieren. Afrika ist eine gefährliche Katastrophe", sagt er.

Ob das Experten-Experiment einen Fortschritt für Afrika bringen wird, will Geldof nicht versprechen. "Aber wenn wir das nicht schaffen, dann haben wir immerhin den Versuch gemacht." Dann wäre der Geldof-Bericht mindestens ein Bericht an die, die vor zwanzig Jahren für Geldofs Live Aid spendeten.

Quelle: www.berlinonline.de

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